Konrad Bergmeisters Freie Universität Nordkorea

Konrad BergmeisterLeser dieses Blogs wissen bereits, dass der Multifunktionär Konrad Bergmeister Präsident des Universitätsrates der Freien Universität Bozen ist. Ich habe mich ja immer schon gefragt, weshalb diese Institution in ihrer Eigenbezeichnung so viel Wert auf den Anspruch legt, frei zu sein. Davon könnten wir angesichts der verfassungsrechtlich geschützten Freiheit von Wissenschaft und Lehre nämlich ausgehen.

Das Rätsel können wir heute nicht lösen, aber BBTnews können einen Beitrag zur Frage leisten, wie es denn der Herr Präsident so mit den Freiheitsrechten hält. Darauf legt die akademische Welt heutzutage nämlich ganz besonderen Wert – im Bewusstsein, dass das in schlechteren Zeiten leider nicht immer so war.

Es ist ja allseits bekannt, dass Bergmeister Kritikern des BBT konsequent ausweicht und sich nicht auf Diskussionen einlässt. Lieber hält er landauf, landab überall dort, wo ihm niemand mit ausreichend Sachverstand in die Quere kommen kann, seine Märchenstunden ab. Das sei ihm gegönnt, als Chef der BBT SE ist er dem Projekt schließlich zu Loyalität verpflichtet, oder zumindest den Geldgebern – das Pech dabei ist nur, dass das eigentlich die Steuerzahler wären, nicht die Politiker, die ihm zu seinen Posten verhelfen (ja, auch zu jenem an der FU Bozen).

Erst in den letzten Jahren wurde allerdings deutlich, wie sehr Bergmeister Kritik an seinem Projekt nicht nur ausweicht, sondern sie sogar zu verhindern versucht. Mehr noch – er versucht wohl sogar, jegliche Kritik an Hochgeschwindigkeitsstrecken (italienisch „TAV“) zu unterbinden. Und kürzlich ging ein besonders eklatanter Fall durch die Medien.

Was war passiert? Der studentische Kulturverein „Kikero“ der Freien Universität Bozen und der Verein „Ambiente e Salute“ (Umwelt und Gesundheit) organisierten eine Fotoausstellung der Künstlerin Iskra Coronelli über die „Resistenza No TAV“ im Susatal, eine Widerstandsbewegung gegen ein Projekt entlang der Strecke Turin-Lyon, das mit dem BBT hinsichtlich der Dimensionen vergleichbar ist, hinsichtlich der Sinnlosigkeit hingegen noch eindeutiger dasteht. Trotz seit Jahren sinkenden Güterverkehrs zwischen Italien und Frankreich und verheerenden Kosten-Nutzen-Rechnungen hält die Politik am Projekt fest, die Polizeipräsenz im Tal erinnert an Bilder aus besetzten Kriegsgebieten.

Wie dem auch sei, die universitäre Verwaltung genehmigte die Ausstellung – um kurz darauf einen Rückzieher zu machen. Der Begründung kann entnommen werden, dass die „sehr kontroversen Inhalte“ Anlass zu „politischen Interpretationen“ der Ausstellung geben könnten, was wiederum im Widerspruch zur „Neutralität der universitären Institution“ stehe.

Liebe Verantwortliche der Freien Universität Bozen: Wir glauben, zu erraten, wer hier interveniert hat – niemand Geringerer als der Präsident des Universitätsrats Konrad Bergmeister, seines Zeichens auch Vorstand der BBT SE. Falls wir uns irren, erleuchten Sie uns bitte.

Für diese Verletzung der Meinungsfreiheit ist übrigens unerheblich, wer die Entscheidung auf wessen Wunsch hin getroffen hat. Viel wichtiger ist, dass die Universitäts-Verantwortlichen hier etwas ganz Grundlegendes verwechseln. Neutralität bedeutet nämlich, hinsichtlich eines kontroversen Standpunktes oder Konflikts KEINE Meinung zu haben, sich nicht einzumischen, die Diskussion darüber nicht zu beeinflussen. Eine Ausstellung nicht zuzulassen, ist das Gegenteil von Neutralität – es ist Parteinahme zugunsten derer, die den Konflikt medial totschweigen wollen.

Würde die Freie Universität wenigstens den von ihr selbst aufgestellten Neutralitäts-Maßstab ernst nehmen, so müsste sie Bergmeister jetzt jedenfalls verbieten, sich zum politisch ebenso kontroversen BBT jemals wieder zu äußern – völlig egal, ob positiv oder negativ.

Viel eher wäre allerdings darüber nachzudenken, ob er für die gerade anstehende Neubesetzung des Universitätsrates überhaupt noch in Frage kommt. Denn zu den größten immateriellen Risiken einer Universität zählt der Reputationsverlust. Und gerade eine so junge Institution wie die Freie Universität Bozen hat akademisch gesehen weder Tradition noch eine Reputation – die müsste sie sich erst erarbeiten, indem sie beweist, dass sie akademische Werte verinnerlicht, statt sich lächerlich zu machen.

Da wir nicht in Nordkorea leben, fand die Ausstellung natürlich trotzdem statt – auf der Straße und in einem privat geführten Blumengeschäft, dessen Betreiber offensichtlich nicht befürchtete, aufgrund einer politisch kontroversen Ausstellung Kunden zu verlieren.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht relevant, dass Bergmeister meiner bescheidenen Meinung nach gegen nordkoreanische Meinungsfreiheit im Prinzip gar nichts einzuwenden hätte. Selbst Gott würde schließlich gern in Nordkorea auftreten, wenn es um die Verbreitung seiner Botschaft geht, und in die „neutrale“ Uni von Bergmeister passt ja wie beschrieben keine Kontroverse über die Politik, die er ihn unterstützt.

Wie ich zu dieser Meinung komme? Weil Bergmeister schon in mindestens zwei gut dokumentierten Fällen höchstpersönlich versucht hat, seine Kritiker von BBTnews zu stoppen. Im einen Fall hat er mich (ja, ausgerechnet er! ja, mich!) als Lügner zu diffamieren versucht – und im andern Fall glaubte er, über den Arbeitgeber Einfluss nehmen zu können. Dabei glaubte er sogar und nahm bewusst in Kauf, mir beruflich schaden zu können. Seit dieser Episode unterstelle ich ihm, dass er in der BBT SE nichts gegen nordkoreanisches Arbeitsrecht einzuwenden hätte, soweit es seine Mitarbeiter betrifft.*

Nun ja. Wer mich kennt – und Bergmeister kennt mich aus 10 UVP-Verhandlungstagen – hätte vorher wissen können, wie eine solche Geschichte ausgeht. Bergmeister habe ich im Wiederholungsfall auch eine Strafanzeige angekündigt; die Details sind nicht weiter interessant, bestenfalls noch amüsant. Die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs aber bitte ich aufgrund der Vorkommnisse um Verständnis, wenn ich Herrn Bergmeisters Leistungen regelmäßig besonders kritisch würdige. Ich kann nämlich nicht ausschließen, dass er bekannte Kritiker „seines“ Projekts, mich eingeschlossen, auch in anderen Fällen zu diskreditieren versucht hat, bekannt ist vielleicht nur die Spitze des Eisbergs.

Viel interessanter als die unbeholfenen Aktionen von Bergmeister ist die Frage, weshalb er diese Schritte unternommen hat. Ich kann mir seine Handlungen zwar aufgrund einer Mischung von maßloser Selbstüberschätzung hinsichtlich seiner eigenen Glaubwürdigkeit und seines Einflusses erklären, den Hintergrund damit aber noch nicht. Wie kommt es zur Aussage einer Zuschauerin nach einem sehr kontroversen Diskussionsabend in Steinach, ihr sei vor besagtem Abend gar nicht bewusst gewesen, wie sehr die Spitzenvertreter der BBT SE ihre Kritikerinnen und Kritiker hassen?

Ja, woher dieser Hass? Ich glaube mittlerweile, auch darauf eine Antwort zu kennen. Es gab am zweiten Tag der öffentlichen wasserrechtlichen Verhandlungen einen Moment, in dem eine Vertreterin einer NGO und ich zusammen mit den Spitzen der BBT SE und den Beamten alleine waren – ausnahmsweise keine Journalistinnen und Zuschauer da. Diesen einen, fast schon privat anmutenden Moment im ansonsten öffentlichen Scheinwerferlicht der UVP nutzte Bergmeister, um seine Frustration über die andauernden Verhandlungen loszuwerden und uns verärgert zu beschimpfen: man verhandle jetzt schon so lange, sei immer noch nicht fertig und nur noch wir zwei da und nicht mit dem Projekt zufrieden, sonst keiner.

Es war ein kritischer Moment der Verhandlungen – im UVP-Hauptverfahren hatten die Umweltvertreter den wasserrechtlichen Teil durch einen Frontalangriff auf die Gutachten völlig geöffnet, einen von BBT SE und Behörden ausgebooteten Gutachter wieder ins Boot geholt und noch vor Beginn der wasserrechtlichen Verhandlungen die BBT SE zu deutlichen Zugeständnissen auf dem Papier genötigt, ein Zusatzgutachten war in Ausarbeitung. Und wir waren tatsächlich noch immer nicht zufrieden und verhandelten kompromisslos weiter, da uns einige der Umweltauflagen noch viel zu schwammig formuliert waren. Den BBT als umweltverträglich und genehmigungsfähig zu bezeichnen, wäre den Umweltvertretern auf Basis der vorliegenden Akten, die den mangelnden Nutzen des Projekts schon im Verfahren gut belegten, ohnehin niemals in den Sinn gekommen.

Bergmeister fühlte sich in diesem Moment meiner Meinung nach aufgrund der beschriebenen Verhandlungsdynamik über den Tisch gezogen – und genau das brachte er mit seinem frustrierten Gefühlsausbruch zum Ausdruck. Tatsächlich vollzog sich gerade das Gegenteil: Nicht er wurde über den Tisch gezogen – sondern in den UVP-Verhandlungen funktionierten ausnahmsweise alle Tricks und Spielchen, die im Vorfeld abgelaufen waren, nicht mehr. Nordkoreanische Methoden hatten keine Aussicht auf Erfolg.

Behörden- und BBT SE-Vertreter duzten zwar die Gutachter, die von den Umweltvertretern am Anfang der Verhandlungen stundenlang ins unangenehme Kreuzverhör genommen worden waren, um am UVP-Gesamtgutachten zu rütteln. Aber längst hatten wir das viel bessere, sachlichere und in den meisten Fällen von gegenseitigem Respekt geprägte Arbeitsverhältnis zu ihnen. Es war die Umweltseite, die den Gutachtern ganz ohne nordkoreanische Methoden den Druck wegnahm, Freiräume eröffnete und jene Meinungsfreiheit wiederherstellte, mit der der BBT wenigstens so umweltfreundlich gestaltet werden konnte, wie das rechtlich unter den gegebenen Umständen durchsetzbar war. Was sich hinter den Kulissen so alles abgespielt hatte, wie unbequeme Gutachter unter Druck gesetzt worden waren, werden die BBTnews niemals im Detail erhellen.** Das befreite Aufatmen der Gutachter war an den Verhandlungstagen aber geradezu sichtbar.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Immer dann, wenn Personen nicht mit Sachargumenten widerlegt werden können, wird versucht, sie zu diffamieren. Bergmeisters Angriffe auf mich lassen sich auch so erklären. Aber er kann jederzeit gerne versuchen, den Gegenbeweis anzutreten, wenn er das möchte – nicht die Kritikerinnen und Kritiker weichen der Diskussion aus. Zumindest nicht, so lange außerhalb Bergmeisters Freier Universität und der BBT SE keine nordkoreanischen Zustände bei uns herrschen.

 

* Prof. Bergmeister zeigt sich auch hier nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Wie wird etwa Prof. Karl Berkel im Studierendenmagazin „audimax Ingenieur“ 01/2014 auf S. 54 so schön zitiert: „Unethisch, weil unverantwortlich, führt, wer ausschließlich diktiert.“ Ich äußere jetzt lieber nicht meine Meinung dazu, welche Führungskultur Bergmeister als Chef eines öff. Unternehmens seinen Studierenden vorlebt. Hinweise darauf, dass die BBT SE sich nicht nur Freunde gemacht hat, gibt es genug.

** Die Existenz zweier verheimlichter Unterlagen, nämlich der Ernst&Young-Studie und der Public Health Studie, war mir selbst damals im UVP-Verfahren übrigens leider noch nicht bekannt, aber dank der Hartnäckigkeit italienischer NO-TAV-Aktivisten sind beide mittlerweile öffentlich zugänglich. Am Ausgang des Verfahrens hätten beide nichts geändert. Ich hielt und halte die Genehmigungsbescheide des BMVIT aufgrund der Aktenlage bis heute für rechtswidrig, ein paar Unterlagen mehr hätten das Ministerium aber nicht weiter gestört. Und es ist unwahrscheinlich, dass die Chancen von Rechtsmitteln im Verwaltungsverfahren damit gestiegen wären.

 

 

Ein Kommentar

  1. Rudolf Weiss

    Nachdem mit diabolischem Eifer an den schwarzen Röhren weitergebuddelt wird, damit weitere Milliarden in den Sand der Löcher gesetzt werden, stellen sich mir die Fragen:
    1.
    Wenn der St. Gotthard Tunnel 2016/17 in Betrieb geht, wo sind dann die Zulaufstrecken Nord und besonders SÜD?
    2.
    Wenn schon die Schweiz lächerlich gemacht wird, wie wird dann erst der Zulauf zum BBT 2024/ 25 / 26 / ????
    zum großen Lacherfolg?
    3.
    Bergmeister hin oder her; wenn er so felsenfest von seiner „Sache“ überzeugt ist, dann kann er ja ohne Weiteres sein Gehalt und sein gesamtes Vermögen darauf verwetten, dass die Hochleistungsstrecke 2026??
    von Franzensfeste bis Verona in Betrieb geht, nicht wahr?

    rudolf.weiss@gmail.com

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