Endlich sinnvolle Nutzung des BBT-Erkundungsstollens gefunden: Bühne für politische Realsatiren eröffnet

BildFranzensfeste (bn). – Wie die BBT SE auf ihrer Webseite kürzlich in einer Pressemitteilung triumphierend verkündete, wurde der Erkundungsstollen endlich für die erste sinnvolle Dauer-Nutzung tauglich: dieser sei hervorragend geeignet als angesagte Location für Darbietungen aller Art und insbesondere als Bühne für Polit-Satiren. „Uns Tunnelbauern und der steuersubventionierten Bauwirtschaft wird ja gerne nachgesagt, dass wir intransparente Gestalten seien, die das Tageslicht der Öffentlichkeit scheuen“, so Bergmeister leutselig nach der erfolgreichen Premiere. „Jetzt können wir endlich das Gegenteil beweisen: Wir lieben es geradezu, im Rampenlicht zu stehen und zu zeigen, was wir hier versprechern, nämlich den… dingsda… also… zweit… ähem… den fast längsten Tunnel der Welt.“ Damit biete sich von Brüssel bis Rom, wenn nicht gar von Helsinki bis Palermo und neuerdings bis Malta, Raum für die Aufführung politischer Realsatiren, deren Intensität durch die „beklemmende Enge“ in den Tunnelröhren „noch verstärkt“ werde. Man habe am Brenner schließlich immer schon „nicht nur eine Vision, sondern gleichzeitig einen äußerst wachen Sinn für das Machbare“ gehabt.

Bergmeister verriet, dass die Idee von großer Bedeutung für die Finanzierung des BBT sei. Denn die EU habe für die kommende Finanzperiode 2014-2021 eine Förderung des Projekts in Höhe von 40% der Gesamtinvestitionen in Aussicht gestellt. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Tunnelsystem neben der Errichtung der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn für mindestens eine weitere Infrastruktur dient“, fügte er erklärend hinzu. Gescheitert seien Überlegungen zu einer Gasleitung, da in einer Machbarkeitsstudie Sicherheitsbedenken geäußert worden seien. Eine gasisolierte Hochspannungsleitung sei vom nicht-subventionierten italienischen Stromnetzbetreiber TERNA aufgrund der hohen Kosten abgelehnt worden. Daher denke man nun an kulturelle Einrichtungen. Diese könnten nämlich, wie das Pilotprojekt im Pilotstollen gezeigt habe, schon während der Errichtungsphase in den zahlreichen Zeiten, in denen der Bau stillstehe, die leerstehenden Tunnels nützen. Außerdem evaluiere man, ob dadurch nicht in anderen Fördertöpfen der EU zusätzliche Gelder locker gemacht werden könnten. „Gerade haben wir wieder außerplanmäßig 100 Mio. Euro von der EU erhalten – das erlaubt uns, ein paar weitere Meter für Profilierungen auf der nächsten Dorfbühne und positive Medienberichte zu graben.“ Eine Handreichung für Ansuchen zur Verteilung der Fördergelder sei bereits in Ausarbeitung, so der begeisterte Volkskundler. Auch die Planungen für die Uraufführung weiterer Burlesken mit Star-Besetzung aus Politik und Wirtschaft seien bereits in fortgeschrittenem Stadium. Für die Feier von Querschlägen sehe man Potential von bis zu 150 Wiederholungen, Gastauftritte in Brüssel seien bereits in Vorbereitung.

Dass der Baufortschritt nach der Streichung fast aller Gelder für Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnprojekte durch die Regierung Letta insbesondere auf italienischer Seite wieder einmal ins Stocken geraten ist, stört Bergmeister nicht. „Wie wir immer versprechert haben, ist weiterhin alles auf Schiene. Der Tunnel wird plangemäß errichtet und pünktlich am 1. April 2348 um 14.25 Uhr wird der erste Zug durchrollen“. Das weltweit längste, zusammenhängende Tunnelsystem benötige zweifellos auch die weltweit längste, zusammenhängende Bauzeit. Außerdem, so Bergmeister weiter, sei dadurch auch sein Gehalt von über 300.000 Euro jährlich weiterhin dauerhaft gesichert – sozusagen eine Win-win-Situation. Zudem könne er so trotz seiner drei Vollzeit-Stellen als Professor an der Boku Wien, Tunnelbau-Chef und Präsident der Freien Universität Bozen endlich auch gelegentlich ein paar Stunden schlafen. Manchmal bliebe nachts jetzt sogar Zeit für seine heimliche Leidenschaft: den Tunnelbau-Simulator am heimischen PC für die Suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten und verzichtbaren Projektteilen. „Sie sehen, dass angesichts des Spar-Managements die Medienberichte, wonach die durch die Verzögerungen entstehenden Mehrkosten hauptsächlich für mein Gehalt aufgewendet werden, Unsinn sind“, so der Tunnelbau-Chef Bergmeister. Und er versprach auf Nachfrage der Redaktion von bbtnews „felsenfest“, dass eine politische Kosten-Nutzen-Rechnung der Provinzpossen im BBT mit exakten Zahlen spätestens zur Eröffnung des Bauwerks vorliegen werde.

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